Unser Inneres Kind

Das „Innere Kind“ ist ein symbolischer Ausdruck für den Teil unserer Psyche, in dem unsere tieferen Empfindungen, Bauchgefühle sowie unsere Vergangenheit wohnen. Es beeinflusst maßgeblich unseren Alltag, seine Gefühle und das Wohlsein.

Beispiele, wann das „Innere Kind“ sichtbar für uns wird:

Jemand blickt tief in Gedanken über seine Arbeit aus dem Fenster, und plötzlich bemerkt das „Innere Kind“, wie schön die Sonne auf die Bäume scheint und erinnert sich an freudestrahlende Tage der Kindheit. Und das Resultat: man fühlt sich plötzlich glücklich!

Ein anderer ist grade bei seiner Arbeit innerlich verquer (d. h. sein Inneres Kind hat schlichtweg keine Lust mehr, weil es früher öfters gezwungen wurde), aber es wird beiseitegeschoben, denn „Arbeit ist Arbeit!“

Ein solcher Kontaktabbruch zum Inneren Kind kann zwar versucht werden, aber das Innere Kind wird sich wehren, um doch noch vielleicht bemerkt zu werden. Und als Resultat dieses – unterbewussten – inneren Ringens mit sich selber ist der Betreffende abends ausgelaugt, denn solche innerlichen Kämpfe fressen enorm viel seelische Energie. Hingegen hätten vielleicht wenige Sekunden an Verbundenheit in Form eines kurzen Einfühlens in sich selber genügt, die inneren Kräfte wieder fließen zu lassen. Dann hätte er seine Arbeit sogar vielleicht noch beschwingter fortsetzen können!


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Sehr häufig – eigentlich praktisch immer – mischt das „Innere Kind“ auch bei Beziehungsstreits mitunter sehr kräftig mit. Oder wie ist es sonst zu erklären, wenn sich ganz erwachsene Menschen, die sich ja eigentlich lieben, mitunter vehement bekämpfen? Schon die Wortwahl ist dann auffällig, z. B.: „Wenn du dich so verhältst, dann mache ich das ebenso!“ „Wieso? Du hast doch eben genau so ...!“ – ein wütendes, trotzendes Kind ist hier kaum zu übersehen.

Ähnliches gilt z. B. bei übergroßen Ängsten, nie enden wollendem Schmerz oder übergroßer Wut. Dann ist immer das Innere Kind mit im Spiel – es werden vergangene Gefühlserfahrungen mit beigemischt. Als Faustregel gilt: wenn irgendeine Reaktion auf etwas ganz Alltägliches recht befremdlich wirkt, z. B. wenn jemand mit übergroßem Schmerz, Angst oder Wut überreagiert, muss solche Überreaktion ja aus irgendeiner biografischen Begebenheit herstammen. Solche Begebenheiten sind in den allermeisten Fällen unterbewusst. Wir alle leben nämlich zu 90 % aus dem Unterbewusstsein. Ganze 10 % nur sind dem Bewusstsein und damit dem freien Willen zugänglich.


Man kann lernen, aus dem Inneren Kind Kraft, Kreativität und überfließende Lebensfreude zu schöpfen. Oder man ignoriert es, schneidet sich damit ab von der eigenen Lebendigkeit, kann als Folge davon energielos, depressiv, zwanghaft, ruhelos, süchtig, ... , und seinen inneren Gefühlen ausgeliefert werden. Diese Abgeschnittenheit von der eigenen Lebendigkeit – vom Inneren Kind – ist vermutlich bei den meisten Menschen die Regel. Das Innere Kind wird also schon gewohnheitsmäßig ins Unterbewusste verdrängt. So dass man oft eine Art Schreck erlebt, wenn man die dann entstandene Unlebendigkeit zum ersten Mal bei unseren Mitmenschen bemerkt - wohl weil der Mensch „zum ersten Mal" klar sieht, dass die meisten Gesichter seiner Mitmenschen unlebendig sind. Und damit sind sie eine Art Spiegel für sein eigenes Gesicht!

Durch das Abgeschnitten Sein können sich manchmal sogar psychosomatische Symptome entwickeln – denn: was würden Sie tun, wenn Sie in einer lebenswichtigen Angelegenheit nicht gehört werden? Sie würden sich sicherlich immer vehementer bemerkbar machen wollen, z. B. mit Fäusten an die Tür hämmern, damit Ihre Nachricht endlich beachtet wird.

So auch das Innere Kind – es „hämmert“ dann durch Symptome „an die Tür“ unseres Bewusstseins, z. B. durch unbegründet scheinende starke Gefühle (beispielsweise durch Ängste) oder durch Körpersymptome. Damit wir es endlich hören, damit es endlich beachtet wird – und uns endlich beschenken kann!


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Oder etwas sanfter: wenn man sich von seinem Inneren Kind abgeschnitten hat, erkennt man es oft unbewusst irgendwo im Außen wieder. So weinen z. B. viele Menschen bei rührseligen Filmen - sonst vielleicht nie. Aber nun „darf“ sich das Innere Kind mit seinen Gefühlen mal zeigen. - Oder man sieht schnell immer das Leiden anderer Menschen, anderer Innerer Kinder (und das sollte ein Spiegel sein für einen selbst: sehe ich mein Inneres Kind?) – Sehr oft wird auch das eigene Innere Kind auf die eigenen leiblichen Kinder projiziert. Streit zwischen den Eltern über Erziehungsfragen würde dann eigentlich bedeuten: „Wie gehst du mit meinem Inneren Kind um?“

Dass unsere Psyche verschiedene Teile hat, ist Alltagserfahrung. Oft drücken wir das z. B. so aus: „Mein Verstand sagt mir ..., aber mein Gefühl sagt was anderes. Oder, wie Goethe es formulierte: „Zwei Seelen, ach, in meiner Brust!“

Viele Menschen kennen solch innere Gedanken, ja sogar innere Dialoge. Manche sorgen sich allerdings, ob dies auf eine gespaltene Persönlichkeit hinweisen würde – aber es geht um normale innere Prozesse. Und da klingt es einleuchtend, dass möglichst alle diese Teile in eine Richtung streben sollten. Denn nur dann sind wir mit uns „eins“, fühlen uns „ganz“, und müssen nicht teilweise gegen uns selbst kämpfen.

Um (wieder) zu dieser Einheit mit sich selbst zu kommen, müssen aber oft besondere „Umgangsmöglichkeiten“ mit diesem Teil der Psyche erlernt werden. Denn sicher hat jeder schon die Erfahrung gemacht: das Innere Kind unterliegt nicht unserer Willenskraft, sondern hat eine Eigengesetzlichkeit. Das Modell des „Inneren Kindes“ beschreibt verschiedene Wege, um mit sich selbst heilvoll umzugehen und zu dieser „Einheit“ oder „Aussöhnung“ zu kommen.


Was hat unser Inneres Kind, mit dem Geschick unsere Beziehungen zu leben, zu tun?

Ein Alltags-Beispiel, das den weitreichenden Einfluss des Inneren Kindes auf das Geschick unserer Paar- (und sonstigen) Beziehungen zeigt. Hier wird oft das Innere Kind der Vergangenheit, die Erinnerung an die eigene Kindheit, aktiviert. Das sieht dann so aus:

In einer Auseinandersetzung mit dem Partner kann mitunter irgendein Satz oder Ausdruck einen so tief treffen, dass man schier in einen Abgrund zu fallen meint. Und dagegen wehrt man sich natürlich mit aller Kraft – zumeist gegen den anderen.

Und oft genug kommt der andere dann dadurch in seinen „Abgrund“. Und das kann dann ins Uferlose eskalieren, völlig unverständlich für den nüchternen Menschenverstand.

Detailliert gesehen sind in solchen Situationen meist mehrere Gefühlsebenen vermischt:

▶   einmal ein gewisser Schmerz aus der gegenwärtigen Verletzung,

▶   dazu kommt oft noch erinnerter und jetzt sozusagen „beigepackter“ Schmerz aus ähnlichen Situationen der gemeinsamen

      Vergangenheit mit dem Partner.

▶   und dazu noch „beigepackt“: erinnerter Schmerz aus ähnlichen Situationen der eigenen Kindheit, also Gefühle des Inneren Kindes der

      Vergangenheit.

Die Größenordnung liegt vielleicht bei: 5% Schmerz aus der Gegenwart, 15% aus der Paar-Vergangenheit, 80% aus der Kindheit! Denn als Kind erlebte man Gefühle total, u. a. deswegen haben sie ein solches Gewicht. Und so wird die ungeheure Vehemenz der Emotionen in Beziehungsstreits verständlich! Denn alle 100% werden jetzt in der Gegenwart erzeugt und somit jetzt gefühlt – als ob sie eine direkte Reaktion auf den anderen wären. Dabei ist der allergrößte Teil sozusagen Playback-Erinnerung.

Und für die Erinnerungen des Inneren Kindes kann der andere nun gar nichts!

An dieser Stelle empfehle ich meinen Klienten die alten Kindheitsverletzungen erst einmal mit meiner mehrfach bewährten schriftlichen Anleitung „Der Transformationsweg meines Inneren Kindes“, das sich über einem Zeitraum von 6 Wochen erstreckt, zu bearbeiten. Denn erst danach hat man die Grundlage erschaffen an die heutigen Themen, also um das gegenwärtige Innere Kind - gerne mit meiner Unterstützung, heran zugehen.  Kontaktformular!