Bossing - Führung und deren Machtmissbrauch!


Ich stoße in meiner Arbeit als Interim Managerin immer mal wieder auf dieses Thema. Denn es gibt nach meiner Meinung in der Arbeitswelt einen Widerspruch zwischen den besagten flachen Hierarchien und den erlebten undemokratischen Führungsverhalten - und das sehr gerne in der unteren und mittleren Managementebene. Machtmissbrauch wird oftmals zum konstitutiven Führungsbestandteil, wobei die Machtinhaber ihr autoritäres Verhalten nicht selbst reflektieren können.

Das in diesem Zusammenhang vorkommende ignorieren von Gesetzen ist nur eine von vielen Formen des Machtmissbrauchs. Undemo-kratisches Führungsverhalten entsteht aus der Angst heraus. Eine bereits erworbene Machtposition wieder zu verlieren.

„Ich darf nicht mehr so nett sein“ und oder „die Geschäftsleitung will eine autoritäre Führung und daher darf ich meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht duzen“ hört man von diesen Führungspersönlichkeiten. Wenn er/sie das erfüllt hat, hat er/sie damit die erste Hürde als Team- bzw. Abteilungsleiter-/in mit Bravour genommen und die ersten Duftmarken gesetzt, meint diese Person wahrhaftig dass sie dadurch eine Führungspersönlichkeit ist. Dabei erfüllt sie nur die Vorgaben, was andere von ihm/ihr erwarten – und dieses Verhalten wird nach „unten“ weitergeleitet! Dieses Verhalten flöhst doch bei anderen keinen Respekt ein – Eine Person, die zu sich komplett steht, unabhängig was andere von dieser Person erwarten, die sich im Zweifel mit der "Obrigkeit" auseinandersetzt, ist doch eine Respektsperson mit Rückgrat – und zum führen geschaffen – die anderen doch nicht, oder?

Aber so eine Haltung erfordert neben einer fachlichen und sozialer Kompetenz auch eine reife Persönlichkeit mit einem gesunden Selbstwert und Selbstemphatie.

Für die Führungspersönlichkeiten, die nun glauben, auf ihrem neuen Chefsessel jetzt härter sein zu müssen, kann ich nur eins erwidern: "Nett sein, hat bei uns ja manchmal den Beigeschmack eines Nachgebens und Harmoniestrebens, was bei manchen Menschen auch durchaus sein kann. Anpassung zum Zwecke der Konfliktvermeidung ist definitiv der falsche Weg. Eine Führungskraft muss immer ganz klar sagen, was sie will. Wenn es mehrere Wege gibt, ist immer auch die Perspektive des Mitarbeiters zu berücksichtigen. In dieser Weise nett zu sein, ist völlig okay. Aber wenn es eine Abweichung vom Ziel gibt, muss korrigiert werden. Aber jede Art von Kommunikation muss zwingend mit Respekt und Wertschätzung gegenüber seinen / ihren Mitarbeiter-/in bzw. den Mitarbeitern erfolgen.

Menschen, die in eine Machtposition kommen, sind immer auch in Gefahr, diese Position zu missbrauchen, das zeigen verschieden Studien und Untersuchungen. Sie nehmen die Position und deren Perspektive ihrer Mitarbeiter nicht mehr ausreichend wahr. Sie können sich nicht mehr in sie hineinversetzen. Dabei vergessen sie oft sehr schnell ihre vorige Position und agieren aus einer Machtposition heraus. Das kommt daher, dass sie sich sehr oft darüber selber gar nicht im Klaren sind. Warum? Weil es durchaus sein kann, dass das Thema Macht und dessen negativen Anteil des Machtmissbrauchs sehr oft bereits in der Herkunftsfamilie falsch gelebt wurde bzw. seinen Ursprung findet. Das heißt es ist ein Muster was diese Führungspersönlichkeit lebt und es ist für diesen Menschen „normal“. Was es definitiv nicht ist. Dabei bleibt der wertschätzende und respektvolle Ton im Team immer mehr auf der Strecke – eine Spirale die nicht mehr aufhört, sich nach unten zu bewegen. Es kann sich auch noch hinter so einer Persönlichkeit ein "kleiner" Narzisst verstecken.

Nun, in Zeiten von anbahnender Fachkräftemangel kann dieses Fehlverhalten ein ernst zu meinendes Problem für ein Unternehmen darstellen. Auch darf man nicht vergessen, welches Know how dem Unternehmen genommen wird, wenn jahrelange Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Gründen falsch gelebter Führungsstils das Unternehmen verlassen. Bis das dann in der oberen Managementebene bemerkt wird, ist der Schaden oftmals schon sehr groß und auch nicht mehr zu revidieren.

Was ist Macht

Macht, ist die Chance, in einer Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durch zu setzen. Grundlagen von Macht können sein: physische oder psychische Überlegenheit, Wissensvorsprung, höhere Organisationsfähigkeit, aber auch das Ausnutzen von Herrschaftsstrukturen und die Angst bei den „Unterworfenen“ (Manipulation).


Aber um hier gleich einmal eine Lanze zu brechen – ich habe auch während meiner beruflichen Aktivität sehr gute Führungspersönlichkeiten kennenlernen dürfen, die sogar für mich ein Vorbild wurden.


Macht und Ohnmacht – eine nicht zu trennende Kombination

Herrschen und Beherrscht werden gehören wie Macht und Ohnmacht immer eng zusammen. Der Herrscher versucht, den Beherrschten ohnmächtig zu machen, ihm das Gefühl zu vermitteln, gegen seine Macht anzukommen, sei aussichtslos. Jeder Versuch, aus der Abhängig-keit auszubrechen, sei zweck- und hoffnungslos!

Wer dieses fatale Gefühl annimmt, ihm also Kraft gibt, hat verloren, sein natürlicher Widerstand ist gebrochen, er akzeptiert letztlich freiwillig die seiner Meinung nach unumstößlichen Verhältnisse. Interpretiert sie möglicherweise gar als gottgewollt.  Natürlich ist man selber schuld, wenn man jemandem „freiwillig“ erlaubt, einem zu beherrschen. Nur merkt man dies halt meistens gar nicht, weil es unbewusst abläuft und man selbst üblicherweise nicht nur Opfer sondern auch Täter ist.

Wer frei sein will, muss aufhören, sich mit der Enge und dem Unerwünschten zu identifizieren. Das ist häufig leichter gesagt als getan, weil die Machtkomplexe ihre Tricks haben, mit denen sie Menschen über das Unterbewusstsein zur „freiwilligen“ Identifikation übertölpeln.

Weil sich die Menschen kaum selbst beobachten und kaum auf ihre Gedanken und Gefühle achten, sind sie leicht darüber zu beherrschen. Dies geschieht im Kleinen wie im Großen und das nicht nur im beruflichen Umfeld sondern auch in der Ehe, in der Familie, kleinen und größeren Gemeinschaften, im Staat bzw. zwischen Staaten oder Interessengruppen.


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Für alle, die unter so einer Führungspersönlichkeit leiden gibt es eine gute Nachricht: Sie haben genauso viel Macht Ihren „Chef“ bzw. „Chefin“  und / oder eine andere Person in eine Ohnmachtstellung zu bringen, wie er Sie!

Denn stellen Sie sich vor, Sie fangen an ganz korrekt und mit viel Hirnschmalz einen strategischen Weg zu planen, wie Sie sich aus diesem Machtspiel entziehen können? Ich meine keine Kämpfe und Auseinandersetzung sondern wirklich einen Entzug. Was glauben Sie, voraus-gesetzt Sie schaffen das, wird mit Ihrem Vorgesetzten (m/w) passieren, wenn diese Angriffe / Attacken keine sichtbaren Auswirkungen und Gegenreaktionen mehr auslösen? Denn bislang hat es doch immer bei Ihnen angedockt und Sie haben auf unterschiedlicher Weise reagiert – aber Sie haben reagiert bzw. funktioniert!

               Ja, aber bis zu diesem sehr klaren aber Einzigen lösbaren Weg ist es oftmals ein Weg!

Denn auch Sie haben diesen Vorgesetzten mit diesen Machtthematiken nicht grundlos – zumindest es ist ein Teil Ihres Lebens, ob bewusst und / oder unbewusst. Deshalb sollte man immer auch seinen eigenen Part anschauen, wo man Macht auf andere ausübt - ob bewusst und / oder unbewusst. Erst damit kann man langfristig das Thema für sich lösen. Das soll nicht heißen, dass Sie Schuld haben - denn das haben Sie definitiv nicht! Auch kann es sein, dass Sie damit erkennen dürfen, wie Sie mittlerweile damit umgehen bzw, was das mit Ihnen macht -- ein Art Check up!

Bossing - Mobbing von oben

Systematischer Psychoterror im Beruf ist kein Ausnahmephänomen. 10 - 25% aller Arbeitnehmer haben bereits Mobbingsituationen erlebt und die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher sein. Denn nicht jeder Fall wird öffentlich bekannt – oft aus Scham. Die Folgen sind massiv und reichen bei vielen Betroffen weit über den Beruf hinaus, bis ins Privatleben.

Rund 70 - 75% aller Mobbingfälle erfolgen durch - oder zumindest mit Beteiligung von Führungskräften. Denn bei hierarchiebedingter Macht-Ungleichheit hat es der Betroffene besonders schwer, sehr oft mit besonders fatale Folgen. Bei Mobbing, durch die Hierarchie nach unten, werden meist alle Verteidigungsmöglichkeiten der Opfer ausgehebelt. Der Begriff, den die Forschung dafür gefunden hat: Bossing

Gleich vorweg um Missverständnisse zu vermeiden: Bossing und Mobbing sind systematisch und in der Regel längerfristig angelegt. Es geht also nicht um den Chef, der einmal im Jahr seine „wilden Tage" hat, oder ab und an zu cholerischen Anfällen neigt. Das sind unangenehme Situationen, manchmal auch belastende Erfahrungen, die aber vorbei gehen, sich meist nicht auf einzelne Personen konzentrieren und vor allem nicht zum Ziel haben, ihre Opfer systematisch zu schädigen.

Echtes Bossing kann sich auf vielfältige Weise äußern                              -   nachfolgend ein paar Beispiele für Bossing-Verhalten!


Aufgaben werden willkürlich zugewiesen und / oder entzogen. Das vernünftigen Einarbeiten, Durchführen und Abschließen der Aufgaben ist Zeit oder Schwierigkeitsbedingt unmöglich. Trotzdem werden Sie für Erfolge / Misserfolge verantwortlich gemacht. Gerne auch lautstark und öffentlichkeitswirksam. Die Ursachen für Ihr Versagen werden ausschließlich Ihnen und Ihren mangelnden Fähigkeiten zugeschrieben.

Sie werden vor Publikum demontiert, vorgeführt und in Frage gestellt. Zum Beispiel werden Präsentationen und Ihre Beiträge in Meetings oder Teambesprechungen, übermäßig und herablassend kritisiert und / oder als lachhaft dargestellt.

Fehler werden gesucht und auch gefunden und dann permanent vorgehalten. So erhalten Sie aber auch andere den Eindruck, dass Sie permanent Ihre Inkompetenz unter Beweis stellen. Einmalige Fehler werden zu einem stetigen Problem umgewandelt.

Sie erhalten für die Grundlage Ihrer Arbeit falsche oder nicht eindeutige Informationen. Ihr „schlechtes" Arbeitsergebnis wird dann aber auf Ihr Versagen und Ihre Unfähigkeit zurückgeführt. Über die Ursachen des Arbeitsergebnisses ist kein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten möglich bzw. die Verantwortung wird immer wieder auf Sie zurückgeführt.

Sie erhalten ungerechtfertigte Abmahnungen. Werden schlechte Resultate durch eine (bewusst) fehlerhafte Informationspolitik des Vorgesetzten erzielt, wird dies gerne zum Anlass für disziplinarische Maßnahmen genommen. Da die Anweisungen im Arbeitsalltag meist mündlich erfolgen, haben Sie kaum eine Möglichkeit das Gegenteil zu beweisen.

Durch falsche Behauptungen wird gezielt Zwietracht im Unternehmen und unter Kollegen gestreut. Zum Beispiel werden Kollegen zum Chef gebeten mit der Behauptung, Sie hätten gesagt, er / sie würde schlechte Arbeit leisten.

Ihnen wird immer wieder gezeigt, wie klein und unbedeutend Sie sind. Ihr Chef ist für Sie nicht erreichbar. Vereinbarte Termine werden im letzten Moment verlegt. Sie dürfen Stunden, bevorzugt an exponierter Stelle, darauf warten, ins Chefzimmer gebeten zu werden. Sie und jeder andere Kollege soll mitbekommen, wie weit unten Sie stehen. Zu wichtigen Terminen werden Sie ein und wieder ausgeladen, oder dürfen nur am unbedeutenden Teil der Besprechung teilnehmen. Wenn es wirklich wichtig wird, bittet man Sie hinaus.

„Dringliche Arbeitsaufgaben" werden bewusst zurückgehalten und zu ungünstigen Zeitpunkten erteilt. Gerne genommen sind z.B. familiäre Termine, kurz vor Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub. Wenn Sie sich wehren oder beschweren, werden Ihnen Faulheit und mangelndes Engagement für das Unternehmen unterstellt.

Sie werden permanent kontrolliert und müssen über Ihre Arbeit „berichten". Um zu demonstrieren wie unfähig Sie sind, werden - auch wieder gern öffentlichkeitswirksam - „nur für Sie" Kontrollmechanismen eingeführt. Listen führen, Ihren Vorgesetzten anrufen, tägliche Arbeitsstandsberichte abgeben. So zeigt Ihr Chef allen, dass man Ihnen in Sachen Fleiß und Qualität nicht trauen kann. Das Ganze dann unter dem Deckmäntelchen guten Willens. Schließlich will man Ihnen ja nur helfen, ein besserer Mitarbeiter zu werden.

Die Konsequenzen - Folgen von Bossing

Verletzt, erniedrigt, demontiert und hilflos - und das auf lange Sicht. Die systematische Misshandlung und Entmachtung von Menschen zerstört die Motivation, den Glauben an sich selbst und steigert die Wahrscheinlichkeit psychischer und körperlicher Erkrankungen. Dieser systematische Verlauf kann bis zum totalen Zusammenbruch und sogar zum Selbstmord führen. Da dies ein schleichender Prozess ist, kann es sein, dass dem Betreffenden nicht bewusst ist, dass er / sie sich relativ schnell aus dieser Situation lösen sollte. Denn dieser tiefen-psychologischer Prozess wir oftmals unterschätzt und wir meinen dies gut abfedern zu können. Kurzfristig vielleicht - langfristig auf keinen Fall!

Was können Sie tun - Handlungsfähigkeit!

Die Eigenkündigung als „Notausgang" hat einen durchwachsenen Ruf. Sie gilt als letztes Mittel und zieht einiges an Erklärungsbedarf bei potentiellen Arbeitgebern nach sich. Ganz besonders dann, wenn Sie ohne eine neue Stelle den Hut nehmen. Und trotzdem ist es wichtig für sich die Konsequenz zu ziehen - sich davon zu befreien was andere davon halten. Denn die absolute Mehrheit der Mobbing / Bossing-Opfer gibt an, dass sie schneller und konsequenter hätten reagieren müssen. Sogar 25% der Betroffenen sagten, dass sie früher hätten kündigen müssen - und das auch ohne Anschlussbeschäftigung!


Merken Sie sich, durchhalten um jeden Preis ist der falsche Weg. Ihre körperliche als auch psychische Gesundheit und Ihre Modivation ist Ihr wichtigstes Kapital, was Sie zu Verfügung haben. Dieses Kapital ist es Wert geschützt und beschützt zu werden - ohne Kompromisse!


In einer Umfrage haben weit über 70% der Opfer angegeben, dass sie sich im klaren darüber sind, dass sie keinen Einfluss auf die Situation hatten. Eine entscheidende Einsicht. Denn genau so ist es, egal was und wie Sie es machen, Sie machen es in diesem Fall nie richtig! Also hören Sie auf, Gründe für das Mobbing bei sich zu suchen.

Zugegeben, wer schon "Schäden" am Selbstwertgefühl einkassiert hat, dem fällt es schwer einzuschätzen, welche realistischen Möglichkeiten vorhanden sind, um das Problem ohne Eigenkündigung zu lösen. Daher bewerten Sie Ihre Einflussmöglichkeiten realistisch!

In meinem Coaching unterstütze ich meine Klienten dabei, seine persönliche Bossingsituation erst einmal zu analysieren, um damit ihm bewusst zu machen, wo sich der vermeindliche "Täter" in eine ungesetzliche Art und Weise gegenüber meines Klienten verhält. Aufgrund des Ergebnisses wird ein Plan geschmiedet, was mein Klient tun sollte, um sich dem "Täter" auf Dauer entziehen zu können.

 

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