Emotionale Unabhängigkeit – wie erreiche ich das für mich?


Es ist völlig normal, dass wir von anderen in einem gewissen Maß abhängig sind. Vollständige Unabhängigkeit werden wir höchst wahrscheinlich nie erreichen. Die entscheidende Frage ist nur, in wie weit wir von anderen und ihre Meinung, Launen und Gefühlen abhängig sind.

Wir Menschen sind so zu sagen „soziale Tiere“, denn wir benötigen aneinander – diese einfache Wahrheit stellt uns genau in unser emotionales Dilemma. In welchem Maße ich die „anderen“ benötige bzw. ich meine, dass ich nicht „ich“ sein kann, weil….


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Wo sollten wir zwingend die Linie ziehen, die entscheidet zwischen einer „gesunden“ Verbindung und einem Zustand der emotionalen Abhängigkeit?

Wenn es in dem Maße ist, dass wir uns selbst daran hindern, unser Leben frei und einer gewissen Weise auch „unabhängig“ leben zu können. Das heißt, dass ich meine Entscheidungen, Entwicklungen, Lebensziele aber auch mich, wie meine Gefühle, Meinung und Ansichten nicht unabhängig und frei leben und äußern kann. Mit diesem Verhalten bin ich komplett von mir entfernt und damit in der emotionalen Abhängigkeit! Das heißt nicht, dass ich gewissenlos, hemmungslos und rücksichtslos mir meinem Gegenüber verhalte – denn das hat mit emotionaler Unabhängigkeit definitiv nichts zu tun – sondern ist ein reines EGO-Verhalten!

Wie abhängig bist Du?

Um dem auf dem Grund zu gehen, habe ich nachfolgend eine Art „Checkliste“ erstellt. Diese Checkliste soll uns dienen, ein besseres Verständnis zu entwickeln, wo emotionale Abhängigkeit/Co-Abhängigkeit überall stecken kann bzw. an welchen Anzeichen Du es erkennen kannst.

Je mehr Punkte Du auf dieser Liste abhaken kannst, desto wahrscheinlicher ist es, dass Du emotional abhängig bist.

Checkliste:

Deine Gedanken kreisen ständig um Deinen Partner oder eine andere wichtige Person in Deinem Leben? Was sie tut, was sie braucht, 

    was sie sich wünscht.

Du versuchst bestmöglich nach den Wünschen der anderen zu handeln und vergisst Dein eigenes Leben.

Du schaffst es nicht, klare Grenzen zu setzen und anderen gegenüber auch mal NEIN zu sagen.

Du kannst dir ein Leben ohne eine bestimmte Person nicht mehr vorstellen und bekommst regelrechte Panik, wenn Du an eine Trennung

    denkst.

Du bist übertrieben eifersüchtig, besitzergreifend und versuchst den anderen immer unter Kontrolle zu halten.

Du brauchst ständige Aufmerksamkeit, Anerkennung und Bewunderung von anderen, ansonsten fühlst Du Dich schlecht.

Du hast Probleme mit dem Alleinsein. Vielleicht empfindest Du das Allein-Sein sogar als Qual und Du weißt absolut nichts mit Dir

    anzufangen.

Zeit, die Du mit Dir alleine oder ohne diese eine Person verbringen musst, kommt dir irgendwie sinnlos vor.

Dein Alltag ist geprägt von Ängsten und Sorgen die Person betreffend.

Du leidest an ständiger körperlicher Unruhe.

Vielleicht bist Du sogar sehr erschöpft, ständig müde oder du leidest an ständiger Übelkeit und Appetitlosigkeit bzw. Essattacken.

Und, wie viele der Punkte kommen Dir bekannt vor? Sei ehrlich zu Dir selbst und schau, wo du stehst. Wie abhängig bist Du?

Und dann frage Dich: Wenn Dich die emotionale Abhängigkeit so behindert, Dir solche schlechten Gefühle bereitet, warum zum Henker tust Du Dir das selbst an?

Genau das schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Für die Analyse betrachten wir als erstes unsere Liebesbeziehung. Gerade dort ist es oft so, dass emotionale Abhängigkeits- und Suchtstrukturen Einzug halten – dies nennt man auch CO-Abhängigkeit. Dann dient uns diese Beziehung nicht mehr als Stütze, sondern entwickelt sich vielmehr zu einem Hindernis für das eigene Wachstum und persönlichen Entwicklung und manchmal sogar für die geistige Gesundheit beider Partner.

Wenn Du mit Deiner eigenen Beziehung nicht glücklich bist, könnte das vielleicht deswegen sein, weil Du in einem solchen Zustand der Abhängigkeit lebst. Um dies herauszufinden, führen wir hier ein paar Dinge auf, die ein Zeichen dafür sein könnten, dass es da ein gewisses Maß an emotionaler Abhängigkeit zu Deinem/Deiner Partner/-in gibt.

1.  Zuallererst gilt: Wenn Du in Deiner Beziehung leidest (wenn Du zum Beispiel vorwiegend Traurigkeit oder Angst empfindest), Dich aber nicht in der Lage fühlst, etwas an der Beziehung bzw. Zustand zu ändern und/oder Dein Gegenüber zu verlassen, ist es sehr wahrscheinlich, dass es in dieser Beziehung ein bestimmtes Maß an emotionaler Abhängigkeit bzw. eine Co-Abhängigkeit gibt. Beziehungen gestalten sich kompliziert und sie bedürfen auch der Anstrengung – aber nicht des konstanten Leides.

2.   Ein sehr konkreter Hinweis für eine Abhängigkeit ist, dass es für Dich keinerlei Aktivitäten mehr außerhalb dieser Beziehung gibt. Dies kann ein Hobby sein, dein Studium, die Karriere, Deine Freunde. Wenn alles, was Du tust, mit Deinem Partner zu tun hat, dann gibt es in Deiner Beziehung wahrscheinlich Abhängigkeits- oder Suchtstrukturen.

3.   Ein weiteres Zeichen für eine Abhängigkeit zu Deinem Partner ist die Unfähigkeit, allein zu sein. Vielleicht hast Du Dich so sehr daran gewöhnt, alles mit Deinem Partner zu teilen, dass Du nun nicht mehr weißt, was Du tun sollst, wenn Du einmal alleine bist – oder es ist auch möglich, dass Du dann von Sorgen überwältigt wirst: von der Sorge, dass dem Partner etwas zustoßen könnte oder von der Sorge darüber, was er jetzt wohl tun mag.

4.   Vielleicht hast Du auch Gedanken, dass Du ohne diese Person nicht mehr leben könntest oder dass Dein Leben ohne die Person keine Bedeutung mehr hätte und dass diese Person Dein ganzes Leben ausmacht. Solche Gedanken sind eindeutige Anzeichen von gewissen Abhängigkeitsstrukturen innerhalb der Beziehung.

5.   Eifersucht ist oftmals ein weiterer guter Indikator für eine abhängige Beziehung. Ihr Ursprung hat oft mit Unsicherheit, Mangel am Selbstwert und an guter Kommunikation zu tun.

Emotionale Abhängigkeit kann viele verschiedene Gründe haben. In manchen Fällen ist es so, dass wir es nicht gelernt haben, Leid in unserem Leben auszuhalten. Aus diesem Grund sind wir nicht dazu in der Lage, den Partner zu verlassen, der uns eigentlich dauernd verletzt, weil wir so viel Angst vor der Veränderung oder vor dem Alleinsein haben. In extremen Fällen kann es sogar sein, dass wir dazu nicht in der Lage sind, obwohl wir Misshandlung erdulden müssen. Auch das ist ein eindeutiges Indiz auf Mangelhafte Selbstliebe / Selbstwert!

In anderen Fällen sind es Probleme mit dem eigenen Selbstwertgefühl, die dazu führen, dass wir von unserem Partner abhängig werden, um uns gut zu fühlen, damit dieser uns bewundert und uns die Sicherheit gibt, die wir selbst in uns nicht finden können.

Was auch immer der Grund sein mag, am Ende ist die Abhängigkeit zu einem Partner immer das Problem der Person, die leidet. Sie muss an sich selbst arbeiten, um wieder gesunde Beziehungen leben zu können. Außerdem muss sie sich von bestimmten Erwartungen lossagen, von dem Wunsch, nicht allein zu sein, von der Eifersucht. Denn all diese Dinge werden letztlich die Beziehung zerstören.


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„Lass nicht zu, dass Dein Partner Dein ganzes Wesen und Dein Inneres so stark vereinnahmt, dass es da keinen Platz mehr für Dich selbst gibt. Zu lieben bedeutet nicht, sich selbst aufzulösen.“ Autor Walter Riso


Ein Leben im Mangelgefängnis – die emotionale Abhängigkeit!

Jetzt fragst Du Dich sicherlich, woran es mangelt und was das Ganze mit einem Gefängnis zu tun haben soll. Wenn Du emotional abhängig bist, lebst Du sehr wahrscheinlich in einem Gefängnis von schlechten Gefühlen, aus denen Du Dich kaum befreien kannst. Angst, Unruhe, Erwartung und Enttäuschung halten Dich fest im Griff. Deine positiven Gefühle werden weggesperrt, aus den negativen kommst Du nicht mehr heraus.

Hierfür gibt es viele Gründe und oftmals haben sie mit einem Mangel zu tun!

Nachfolgend 4 Gründe, woher emotionale Abhängigkeit kommen kann:

1. Mangelndes Selbstwertgefühl:

Einer der größten Gründe für emotionale Abhängigkeit ist ein Mangel an Selbstwertgefühl. Wenn Du Dich von anderen abhängig machst, hast Du den Glauben daran aufgegeben, Dein Leben allein meistern zu können. Selbstbestimmt zu leben macht Dir darum vermutlich Angst. Es ist möglich, dass Du in Deiner Kindheit auf irgendeine Art und Weise gelernt hast, dass Du nur „etwas wert“ bist, wenn Du die Wünsche und Erwartungen Deiner Bezugspersonen bedienst und ansonsten mit Liebesentzug „bestraft“ wurdest.

2. Abhängigkeitsstrukturen aus Deiner Kindheit:

Vielleicht wurden Dir auch Abhängigkeitsstrukturen vorgelebt und Du hast diese Muster tagtäglich aufgenommen und unbewusst antrainiert. Dann kommt Dir Dein eigenes abhängiges Beziehungsverhalten natürlich völlig normal und angebracht vor – ist es aber definitiv nicht!

3. Tief sitzende Verlustängste:

Womöglich hast Du auch schon früh in Deinem Leben Verluste hinnehmen müssen. Ein Elternteil ist gegangen oder gestorben, die Eltern waren abwesend oder anderweitig „nicht verfügbar“, Freunde haben Dich betrogen, Partner verlassen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten wie sich ein tiefes Gefühl der Verlustangst in Deine Seele brennen kann. Von dieser Angst lässt Du Dich vermutlich in gewisser Weise unbewusst lenken.

4. Probleme mit dem Alleinsein:

Es ist auch möglich, dass Du nicht allein sein kannst oder generell nicht viel mit Dir selbst anzufangen weißt und versuchst, die schlechten Gefühle der Unruhe und Einsamkeit zu kompensieren, indem Dein/e Partner/-in oder Deine Freunde stets verfügbar für Dich sein müssen.

Dieses Mangelgefängnis treibt Deine Handlungen an. Durch das Festhalten an bestimmten Personen versuchst Du diese Palette an negativen Gefühlen einzudämmen, nicht spüren zu müssen – das nennt man auch „an getriggert“ werden!

Das Paradoxe daran: Die Personen, die sich Deinen ständigen Erwartungen gegenüber sehen, fühlen sich genauso gefangen wie Du selbst. „Ja, wirklich?“ denkst Du jetzt vielleicht. Ja, es ist wirklich so. Ich erkläre es Dir im nächsten Abschnitt.

Emotionale Abhängigkeit isoliert Dich von anderen!

Irgendwie ist es verrückt. Je mehr Du für andere tust, desto weniger tun sie für Dich, so scheint es. Du versetzt Berge für Deinen/Deine Partner/-in, gibst all Deine Interessen auf – nur um für ihn bzw. sie da zu sein – und was bekommst du als Dankeschön? Tja, ähm…nichts!

Was ist da los?

Ich verrate Dir, was da los ist: Die Menschen spüren unbewusst, dass Du bedürftig bist, dass Du abhängig bist und es Dir in Wirklichkeit nicht um ihr Wohl geht, sondern um die Bestätigung Deiner selbst.

Du möchtest über andere die Anerkennung bekommen, die Du Dir selbst nicht geben kannst. Dadurch fühlen sich die anderen sozusagen getäuscht / benutzt und spüren, dass der Kontakt zu Dir irgendwie ‚unangenehm‘ ist. Eventuell fühlen sie sich bedrängt und/oder unter Druck gesetzt bzw. Dir gegenüber verpflichtet.

Und das Gefühl der Verpflichtung ist eins, das jede Zuneigung untergräbt, jede Leidenschaft im Keim erstickt.

Du wünschst Dir, dass Dein Gegenüber sich wohl mit Dir fühlt und sich frei und voller Wärme im Herzen dafür entscheidet, die Zeit mit Dir zu verbringen, dir Aufmerksamkeit zu schenken? Kontrolle, Eifersucht und überzogene Erwartungen sind für diesen Zweck definitiv nicht geeignet. Damit nimmst du dem anderen buchstäblich die Luft zum Atmen und schränkst ihn in seiner Freiheit ein.

Du solltest von niemandem abhängig sein, um glücklich zu sein. Keine Beziehung dieser Welt kann Dir den Frieden geben, den Du nicht in Dir selbst geschaffen hast!

Die gute Nachricht ist aber, dass Dein Wunsch trotzdem in Erfüllung gehen kann. Aber eben nicht auf Deinem gewohnten Weg. Was Dich Deinen Wünschen näher bringt und damit auch den Wünschen Deines Gegenübers, zeige ich Dir nun mit den folgenden praktischen Tipps.

Wie können wir emotionale Abhängigkeit überwinden?


1. Das Erste, was Du tun solltest, ist, ehrlich zu Dir selbst zu werden und zu versuchen, die Wurzel für diese Abhängigkeit zu ergründen. Vielleicht hast Du Angst davor, allein zu sein, weil Du in Deiner Vergangenheit niemals allein sein musstest. Oder vielleicht hängt Dein Selbstwertgefühl immer von den Komplimenten Deines Partners ab. Denke über diese Dinge nach, denn dies wird für Dich eine entscheidende Grundlage dafür werden, das Problem überwinden zu können.

2. Gehe das Thema Einsamkeit an. Suche Dir Orte, wo Du für Dich allein und ohne Deinen Partner Du selbst sein kannst. Und vor allem, genieße diese Momente: Du könntest zum Beispiel Yoga machen, mit einer Gruppe von Leuten wandern gehen, Dich für einen Foto-Workshop anmelden. Sicherlich wirst Du irgendetwas finden, was Dein Interesse weckt oder was Du schon immer mal machen wolltest. Wichtig ist dabei, dass Du erlebst, dass es da etwas in Dir gibt, das nicht von Deinem Partner abhängig ist.

3. Werde Dir Deiner negativen Gedanken bewusst, vor allem solchen Dingen wie Eifersucht, Angst etc. und versuche, stärker als diese zu sein. Sobald Du bemerkst, dass Du wieder in eine Abwärtsspirale von negativen Gedanken hineinzugeraten drohst, geh nach draußen und spaziere ein wenig durch die Straßen, ruf jemanden an, mit dem Du darüber reden kannst.

4. Rede darüber auch mit Deinem Partner. Kommunikation ist eine wichtige Grundlage für eine Beziehung. Es ist wichtig, dass Du Deinem Gegenüber von den Dingen, die Du gerade durchlebst, erzählst, damit er versteht, dass Du Dich gerade nach Veränderung ausstreckst und hoffst, etwas zu erreichen. Auf diese Art wirst Du in der Lage sein, Dich selbst besser zu unterstützen und verstehen zu können.

5. Und natürlich solltest Du auch über die Option nachdenken, Dir professionelle Hilfe zu suchen, wenn es Dir nicht aus Dir selbst heraus gelingt, eine Veränderung herbeizuführen.

Das Leben ist eine Reise des Lernens und wenn wir es schaffen, unsere Bürden, Sorgen und Ängste loszulassen, dann können wir alles viel mehr genießen. Vor allem werden dann unsere Beziehungen viel erfüllender sein.

Es ist viel einfacher, unabhängig zu sein, als es scheint und viel weniger gefährlich, als es sich gerade für Dich anfühlt. Du brauchst keine Angst davor zu haben, dass Du Dich nun von bestimmten Menschen trennen oder ihnen gegenüber verantwortungslos werden sollst.

 

Ganz im Gegenteil. Durch Deine eigene Unabhängigkeit wirst Du Dich noch stärker und intensiver mit diesen Menschen verbinden können.


Wenn Du erst einmal weißt, wie Du Dir Deine eigene Freiheit und Unabhängigkeit bewahrst, wirst Du auch Deine Beziehungen in einem neuen Licht erblicken. Dieser Beitrag kann der Grundstein für ein freieres und zufriedeneres Leben sein!   Kontaktformular