Burn out – was steckt dahinter?


Oft wird bei den Begriffen Überforderung, Stress, Leistungsdruck, Hamsterrad ständige Erreichbarkeit sofort an den Beruf gedacht. Bei Burn-out wird oft der Fokus auf die berufliche Situation gerichtet und man geht davon aus, dass es das berufliche Umfeld und/oder die berufliche Situation das Burn-out verursacht hat und damit auch auslöst. Doch bei meiner Recherche und meiner Beobachtungen stellte ich fest, dass der wahre Ursprung in einem ganz anderen Bereich liegt und das berufliche Umfeld nur als Spiegelfunktion dient, sodass das Thema hier auftaucht.

Dadurch wird einem schnell klar, dass es nicht alleine reicht, die berufliche Situation zu analysieren, sondern vielmehr sein gesamtes Leben und vor allem sich selbst zu betrachten.

Ich möchte Ihnen gerne 3 unterschiedliche Typen als Beispiele aufführen, um zu zeigen, welche Hintergründe bei diesem Thema bedacht werden müssen (die Personen sind frei erfunden).


Petra, 57, verheiratet, 3 erwachsene Kinder, arbeitet als Vorstandssekretärin in einem Automobilkonzern. Sie ist es gewohnt, für die anderen da zu sein. Sie ist eine gute und ordentliche Hausfrau, sorgt sich liebevoll um ihren Mann, hat ihre Kinder liebevoll erzogen und ihnen die beste Ausbildung ermöglicht. Sie war immer da, wenn sie ihr familiäres Umfeld gebraucht hat.

 

Im Beruf verhält es sich ähnlich: Ihr Chef ist ein Chaot, aber sie schafft es immer, seine Schwächen auszubügeln, auch wenn das bedeutet länger zu arbeiten als notwendig und auszuhelfen, wo es geht. Auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr, auch wenn sie deshalb nicht mal ihre Mittagspause machen kann.

 

Jetzt sind die Kinder bereits aus dem Haus und es macht sich einerseits eine Leere in ihr breit, andererseits fühlt sie sich jetzt oft noch mehr ausgebrannt als früher, wobei doch der sichtbare Stress jetzt weitaus geringer ist.


Jürgen, 35, Single kommt aus einer Unternehmerfamilie. Schon früh hat er von seinen Eltern gelernt, dass man für sein Geld arbeiten muss und dass man die vorhandene Arbeit sorgfältig, gewissenhaft und mit dementsprechender Leistung erbringen muss. Er wurde von seinen Eltern nur dann gelobt, wenn er etwas geleistet hat – sei es in der Schule oder auch im privaten Bereich. In seinem jetzigen Job als Personalvermittler geht er komplett auf: Es macht ihm großen Spaß und er arbeitet oft auch am Wochenende, weil er die Dinge einfach noch besser machen möchte.

 

Er nimmt sich wenig Zeit für sein Privatleben und seine Freunde, er geht auch seinen Hobbys nicht mehr regelmäßig nach. Der berufliche Erfolg ist für ihn das Wichtigste und darauf richtet er seine komplette Aufmerksamkeit. Gleichzeitig merkt er, dass er mit seinem Leben nicht ganz glücklich ist, fühlt dass da, was fehlt - weiß aber nicht genau warum.


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Marina, 39, lebt seit 3 Jahren in einer Beziehung, die sie zwar nicht zu 100%ig ausfüllt, in der sie sich aber dennoch wohlfühlt. Beruflich ist sie auch ganz zufrieden, sie hat einen sicheren Job in einem Finanzinstitut. In ruhigen Momenten empfindet sie trotzdem eine innere Leere, die sie nicht deuten kann.

 

Sie hat im Beruf als auch in ihrem privaten Umfeld Schwierigkeiten ihre Meinung zu sagen und sich mit ihren Wünschen durchzusetzen. Aber da sie es nicht anders kennt, geht sie davon aus, dass dies ein normaler Zustand ist. Ob das jetzt der Kollege/Kollegin ist, die ihre Urlaubsplanung wegen wichtiger Gründe verwirft, der Chef, der über ihren Kopf hinweg eine wichtige Entscheidung in ihrem Arbeitsbereich trifft, oder privat ihr Freund, der so manches Wochenende ohne sie zu Fragen einfach über ihren Kopf hinweg verplant. Es fällt ihr schwer nein zu sagen, deshalb lässt sie lieber andere über ihr Leben entscheiden und spürt immer mehr die Übergriffigkeit und damit verbundene Ohnmächtigkeit.


Alle 3 Personen haben eines gemeinsam: Die Probleme liegen nicht im beruflichen Umfeld begründet, sondern sind Teil eines gelebten Verhaltens, die wir irgendwann übernommen haben. Keiner dieser 3 Personen in den vorgenannten Beispielen ist es bewusst, dass die Wertschätzung gegenüber den eigenen Bedürfnissen und das Wahrnehmen der eigenen Grenzen unzureichend wenn nicht sogar gar nicht vorhanden sind.

Damit übergeht man permanent seinen eigenen Bedürfnissen und die Seele, die das so nicht will und irgendwann nicht mehr erträgt, hat nur die Möglichkeit dies über dem Körper zu kommunizieren - ob mit Burn-out, Depression oder anderen kleineren oder größeren Krank-heiten.

Daher ist es überaus wichtig, von Zeit zu Zeit sich selbst zu hinterfragen, ob in der aktuellen Lebenssituation die eigenen Bedürfnisse auch genügend Beachtung und Platz finden. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es an der Zeit einmal inne zu halten und zu erkennen, welche Veränderungen notwendig sind, damit unsere eigenen Bedürfnisse in unserem Leben einen festen Platz erhalten – und nicht nur die von allen anderen.


Auch die Burn-out-Angehörigen leiden in der Regel unter diesem Zustand sehr. Denn die Situation erfordert viel Einfühlungsvermögen und Geduld, oft über einen langen Zeitraum. Das kann Familienmitglieder überfordern – Hilflosigkeit, Trauer, Wut oder Angst können sich breitmachen. Auch sie sind aufgefordert, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen, aber auch mit sich selbst bewusst und achtsam um zu gehen.

In meinem Coaching unterstütze ich meine Klienten dabei, ihre Bedürfnisse zu erkennen und wie sie diese in ihrem Leben fest integrieren können – ob der Betroffene selbst und/oder die Angehörigen!        Kontaktformular